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Stadtentwicklung Köln

Stadtentwicklung Köln

Ein kurzer Überblick über die Wohnsituation in Köln

Anders als viele andere, größere oder kleinere Städte in Deutschland war Köln nur sehr selten Residenzstadt. Auch der Erzbischof von Köln hat seine Hauptresidenz in der Nachbarstadt Brühl gebaut. Somit gibt es in der Innenstadt von Köln keinen herrschaftlichen Bereich, welcher nicht zumindest teilweise auch Wohngebiet ist. Selbst in der Nähe des Doms oder auf den großen Einkaufsstraßen (Hohe- und Schildergasse) wohnen Menschen. Für die Stadtentwicklung von Köln ist dies ein großer Vorteil. Es gibt keine unbelebten Gebiete in Köln. Wie viele andere Städte auch, verzeichnet die Stadt Köln aber einen großen Mangel an bezahlbarem Wohnraum. Mehrerer tausend Wohnungen müssten in jedem Jahr gebaut oder im Bestand umgebaut werden, um den Wohnungsmarkt zu beruhigen. Die Knappheit des Wohnraums wird maßgeblich durch einen weiter anhaltenden Zuzug nach Köln und durch die Tatsache, dass in Köln ca. 50% aller Haushalte Single-Haushalte sind, verursacht. Die Stadtstrategie „Kölner Perspektiven 2030+“ gibt einen Einblick in die Entwicklungspotentiale für das nächste Jahrzehnt. Sie gilt als Kompass der zukünftigen Stadtentwicklung Kölns, um zukunftsorientiert, strategisch und nachhaltig zu handeln. 

Das Gerling-Quartier in Köln
Bildnachweis: Stefan Grönnerud

Im Augenblick werden mit dem Ausbau des Deutzer Hafens und der Parkstadt Süd zwei neue große Wohn- und Geschäftsviertel in der Innenstadt oder an diese angrenzend geplant. Zusammen werden hier ca. 6.500 Wohneinheiten geschaffen. Zusätzlich kommt es zu einer Nachverdichtung bzw. wo es möglich ist, einer Aufstockung von Gebäuden. Die absolute Anzahl der Bevölkerung in der Innenstadt ist konstant oder steigt leicht an. Vor allem steigen aber die Preise massiv. Es kommt also weniger zu einer Entleerung der Innenstadt, viel mehr ist eine fortschreitende Gentrifizierung zu beobachten. Zusätzlich zu den beiden geplanten Großprojekten werden in den verschiedenen Stadtbezirken verschiedene größere Neubauprojekte geplant oder umgesetzt. Im Umland entsteht gerade der zweite sogenannte Speckgürtel um Köln, da die Preise in unmittelbarer Nähe von Köln bereits stark gestiegen sind. In diesem Gürtel wohnen meist Paare mit Kindern, welche auf dem Stadtgebiet von Köln keinen bezahlbaren Wohnraum gefunden haben. Vielfach haben diese Leute in Köln studiert (in Köln gibt es ca. 100.000 Studierende), haben einen Job im Rheinland gefunden und suchen dann einen Ort zur Familiengründung.

Neben Neubauprojekten muss verstärkt das Thema der Wohnsuffizienz diskutiert werden. Auch in Köln steigt die Wohnfläche pro Kopf immer weiter an. Wie kann es gelingen diesen Trend zu brechen und vermehrt kleinere, bezahlbare und barrierefreie Wohnungen zu bauen oder den Bestand dahingehend umzubauen? Dies könnte dabei helfen die soziale Selektion im Veedel oder das Verdrängen der Menschen aus dem Lebensstandard zu verhindern. Mangels bezahlbaren Wohnraums sind Menschen in Großstädten oft gezwungen in immer teureren Wohnungen zu bleiben, müssen aber den eigenen Lebensstandard immer weiter einschränken. Dies führt zu einer schleichenden sozialen Ausgrenzung ganzer Bevölkerungsgruppen. 

Insgesamt steigt die Zahl der Einwohner:innen in Köln und im direkten Umland weiter an. Auch in entlegeneren Gebieten ist dieser Trend zu beobachten, wenn eine gute Anbindung an das Stadtzentrum von Köln gegeben ist. Wenn der digitale Ausbau zügig erfolgt und der Trend zum Homeoffice anhält, könnten vielleicht sogar periphere Gebiete im Bergischen Land oder in der Eifel an Attraktivität gewinnen - auch ohne direkte Anbindung nach Köln.


Wenn Sie Interesse haben, wie genau die Stadt Köln sich bis 2030 und darüber hinaus entwickeln möchte, dann werfen Sie doch einen Blick in die Stadtstrategie "Kölner Perspektiven 2030+".


Autorin:

Julia Egenolf

Julia Egenolf ist Architektin und Planerin mit ca. 20 Jahren Erfahrung in Deutschland und den USA und leitet als wissenschaftliche Mitarbeiterin bei der Koordinationsstelle Klimaschutz Köln das Projekt OptiWohn für die Stadt Köln. In den Jahren 2015-2019 leitete sie das EU Horizon-2020 Projekt GrowSmarter für Deutschlands erste "Lighthouse City" Köln.


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